Allgemeines Blogging Herz & Seele

Die neue Übergriffigkeit, oder was ist da los in diesem Internet?

16. April 2019

Jetzt muss ich was loswerden, es brodelt schon so lange in mir und den Beitrag habe ich -zigmal angefangen und wieder verworfen. Ich habe Berge von Arbeit hier liegen und verreise morgen, aber nun schreibe ich trotzdem, es muss raus. Denn meinen Blog schreibe ich nicht nur, um schöne Dinge und kreative Ideen mit meinen Lesern zu teilen. Hauptsächlich schon, aber eben nicht nur.

Erschreckend finde ich seit einigen Monaten, welche Wertekultur sich scheinbar in unserem Land und vermehrt in sozialen Medien breitmacht. Wie übergriffig und selbstgerecht Besserwisser ihre Meinung wahllos in Kommentare und Nachrichten klatschen. Wissenschaft? Alles Mumpitz, ich weiß es besser, liest man da. Mütter mit mehreren Kindern haben keine Ahnung, ich habe die einzig wahre Meinung zum Thema, sei es Erziehung, Geburt oder breifreie Ernährung (ich wusste garnicht, dass dieses jetzt angesagt ist!), schreiben Menschen auf Instagram, Twitter oder Facebook. Es wird verallgemeinert, was das Zeug hält.  Von der ständigen Anspruchshaltung auf kostenlosen Content und umgehenden Beantwortung aller Nachrichten mal ganz abgesehen.

Zum Glück habe ich diese Erfahrungen bisher nicht persönlich gemacht, aber was ich zu diesem Thema bei meinen Bloggerkolleginnen lese, finde ich doch sehr verwunderlich. Der Ton ihrer Leser ist oft unterirdisch, Höflichkeit, Grammatik, Umgangsformen? Fehlanzeige. Immer rein mitten in die Fresse, ohne Rücksicht auf Verluste wird kommentiert. Wollen wir wirklich so miteinander umgehen?

Tacheles

Von Fakenews, Hatern und Hetze im Netz mal ganz abgesehen. Das Kundtun einer unreflektierten und unüberlegten Meinung zu einer Sachlage, egal, ob es gefragt ist oder nicht.

Nun kann man sagen: soziale Medien interessieren mich nicht, ich hab damit nix am Hut. Ihr kennt sicher auch Leute die dann sagen: ich bin nicht bei Facebook. Und einen mitleidig dabei anschauen, so als hätte man nicht alle Nadeln an der Tanne, wenn man sich ein soziales Netzwerk antut.

Leider habe ich das subjektive Gefühl, Intoleranz und allgemeines Rumgemecker machen sich auch ausserhalb des „unsozialen“ Netzes breiter, online wie offline. Das Problem Populismus ist meiner Meinung nach ein Problem unserer Gesellschaft geworden und nicht nur in der Politik vertreten. Der normale Bürger sucht die Schuld für Fehlentwicklungen natürlich nicht bei sich, sondern in „der Politik“ und sieht diese in der Verantwortung für die selbst gefühlte Misere, frei nach dem Motto: „Sollen oder müssen „die Anderen“ machen“.

Schuld sind immer die Anderen

Es gibt meiner Meinung nach auch ein neues „Expertentum“. Jeder kann theoretisch alles können, wenn er es auf Wikipedia gelesen, bei Facebook gesehen oder sich durch You Tube Videos reinzieht. Was dazu führt, dass viele Menschen glauben, sie können überall mitreden.

So lebt es sich sicher leichter, wenn es immer „die Anderen“ sind, die etwas verbessern oder verändern müssen. Erschreckend deutlich wurde dies in der Debatte um Greta Thunberg und die „Schulschwänzer“. Ich für meinen Teil wäre beruhigt zu wissen, dass meine Enkel in 50 Jahren noch ohne Mundschutz auf die Straße gehen können.

Viele von uns glauben, dass ausblenden und den eigenen Feed säubern die neue Lösung für Fake News, verdummte Frauenbilder und unerwünschte Entwicklungen ist. Finde ich nicht! Es gibt natürlich auch jene die sagen: geht mich alles nix an, mir geht es gut und nach mir die Sintflut. Zivilcourage und füreinander einstehen, auch wenn ich keinen persönlichen Vorteil davon habe? Auch das findet weniger statt, selbstverständlich ist auch dies mein subjektives Gefühl und macht mir Sorge.

War das schon immer so oder nimmt man es eher wahr, seit durch die sozialen Medien jeder die Möglichkeit hat, seinen Müll ungefragt rauszulassen? Sind dies Zeichen für ein gesellschaftliches Armutszeugnis?

Ich für meinen Teil habe mich bereits vor langer Zeit entschieden, nicht (nur) zu meckern, sondern selbst Verantwortung für unsere Gesellschaft zu übernehmen und auch als Mitglied einer Partei auf kommunaler Ebene aktiv zu sein.

Stay positive, seid doch einfach nett zueinander!

Ich wünsche mir ein Miteinander, das mehr von Akzeptanz und gegenseitigem Verständnis geprägt ist, selbst wenn man anderer Meinung ist. Verzeihen können, selbst wenn der Andere einen Fehler gemacht hat. Nicht: wie du mir, so ich dir. Sondern: ich bin anderer Meinung, diese vertrete ich, aber ich respektiere deine Meinung trotzdem.

Setzt euch zusammen, redet und diskutiert, ohne einander herabzuwürdigen oder zu beleidigen und vor allem schreibt, atmet tief durch, und lest noch einmal, was ihr geschrieben habt. Stellt euch vor, ihr schreibt an euch selbst, würdet ihr das, was ihr gerade verfasst habt, selber lesen wollen?

Jetzt kennt ihr Gedanken, sie mir seit Wochen im Kopf herumirren,, auch wenn ich einfach ohne groß zu überlegen alles runtergetippt habe. Und auf die Schnelle nur ein halbwegs passendes Foto für den Beitrag gefunden habe, was glaube ich im jüdischen Museum Berlin entstanden ist.

Und ihr? Wie denkt ihr? Habt ihr ähnliche Erfahrungen oder belastet euch das nicht? Eure Meinung zu einigen der angesprochenen Themen wüsste ich zu gerne und freue mich auf eure Kommentare. Ich diskutiere auch gerne mit euch!

Alles Liebe

Barbara

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7 Comments

  • Reply Jule 16. April 2019 at 19:13

    Ach Barbara,
    Danke für dein Wort zum Dienstag. Vieles nehme ich auch so wahr. Ich glaube es ist in den sozialen Medien, vor allem wenn man sich nicht aus dem „echten Leben“ kennt, für viele Menschen leichter und die Hemmschwelle deutlich geringer, Grenzen zu überschreiten, die man sich in einer persönlichen Situation vielleicht noch einmal durch den Kopf gehen lassen würde. In Kommentaren wird dann schnell mal der falsche Ton getroffen – und ja natürlich sollte man sich mal überlegen, ob man das, was man da schreibt, dem Anderen auch direkt ins Gesicht sagen würde, wenn er vor einem steht. Da werden offenbar alle Filter einfach ausgeschaltet. Dass absolut kein (naja zumindest deutlich weniger) Wert mehr auf korrekte Nutzung von Rechtschreibung und Grammatik gelegt wird, kommt leider noch erschwerend hinzu und es stört mich enorm Sätze zum Teil mehrfach lesen zu müssen, um mir den Sinn dahinter erschließen zu können. Es muss ja nicht jeder Rechtschreibung und Grammatik perfekt beherrschen, davon möchte ich mich selber auch nicht ausnehmen, aber ein bisschen Mühe geben kann man sich durchaus. Und dann gibt es natürlich noch die Gruppe, bei denen Filter und ansatzweise korrekte Sprache auch im wahren Leben nicht angewendet werden. Diese Gruppe nehme ich in meinem persönlichen Umfeld noch als eher gering wahr, aber in der Öffentlichkeit kann man sie durchaus als wachsend bezeichnen. Das Wörtchen Respekt spielt für viele keinerlei Rolle mehr im Umgang miteinander und so lernen die Kinder von kleinauf natürlich auch nicht was es heißt, anderen Menschen mit Respekt zu begegnen.
    Ganz liebe Grüße
    Jule

    • Reply Barbara Haane 16. April 2019 at 20:13

      Liebe Jule, du hast so recht! Es fehlt oft auch an Wertschätzung dem Anderen gegenüber, wenn man sich nichtmal die Zeit für Rechtschreibung oder Grammatik nimmt. Und zum Stichwort Respekt: Respekt vor Menschen, die anders sind als man selbst, vor der Natur und ganz allgemein ist nicht mehr selbstverständlich, traurig ist das.

  • Reply Nina M. 17. April 2019 at 6:33

    Danke Barbara, für diesen Text.
    Nicht nur im Internet, auch im wahren Leben wird schnell verurteilt und andere werden herabgewürdigt, weil man es besser weiß. Allerortens fehlt es an Respekt, das fängt schon in der Schule an, denn die Kinder nehmen sich kaum noch etwas von den Lehrern an. Und in den sozialen Medien ist es um so leichter, andere zu verurteilen. Sprachlich hapert es schon bei den Moderatoren vieler Sendungen im TV. Es ist ein um sich greifender Werteverfall.
    Aber es gibt auch viel Positives! Gerade durch die sozialen Medien z B. unkomplizierte schnelle Hilfsbereitschaft. Schnellen Informationsfluss in kritischen Situationen. Und auch nette Gesten von völlig Fremden..
    Es hat alles 2 Seiten.
    Hoffen wir, dass wenn man ein gutes Beispiel bleibt, es um sich greift.
    in diesem Sinne liebe Grüße Nina

  • Reply Anna 17. April 2019 at 20:22

    Liebe Barbara, ich möchte das einfach so und ohne jede Einschränkung unterschreiben, denn treffender könnte man es kaum ausdrücken.
    Es beruhigt mich, dass andere Menschen das genauso empfinden wie ich. Danke dir für deine klaren und wahren Worte!
    Alles Liebe, Anna

  • Reply lou 17. April 2019 at 20:35

    ach barbara! du hast so recht und ich kann es teilweise auch nicht fassen. zum glück tummeln sich bei mir noch keine trolle, aber wie du sagt, was ich von den kolleginnen höre, ist wirklich unfassbar!
    danke für diesen beitrag. er regt zum nachdenken an! <3

  • Reply Emma 17. April 2019 at 20:56

    Liebe Barbara , es brodelt bei mir schon ne ganze Weile … neulich sprach ich mit meiner Mutter darüber und wir wunderten uns warum so einige gar keine Werte mehr zu haben scheinen. Ehrlichkeit, Hilfsbereitschaft, soziales Gewissen, Zivilcourage, Benehmen und Anstand. Alleine was im Straßenverkehr täglich passiert .. schlimm .. und ich musste gerade sehr viel darüber nachdenken, denn ich engagiere mich ehrenamtlich .. mein Umfeld ist toll, ich habe wundervolle Menschen um mich herum und doch nehme ich immer mehr wahr wie sich die Welt verändert . Dass Staatsoberhäupter fürs Lügen und Fakten noch gefeiert werden, dass man wieder über „juden“Witze lacht und dass Populismus im Vormarsch ist. Es stimmt mich traurig und doch hoffe ich, dass die Welt aufwacht. Das Menschen ihre Stimme erheben .. dass wir mehr werden … danke für deinen Text 😘 alles liebe

  • Reply Angela Seifert 18. April 2019 at 12:39

    Hallo Barbara, dass ist sooooo wahr ! Leider !
    Ich frage mich auch oft warum, es ist so in den sozialen Medien und auch immer mehr im realen Leben. Ich habe auf der Arbeit sehr viel Kundenkontakt, die Leute werden immer aggressiver und greifen einen leider auch immer mehr persönlich an. Was kann ich dafür, wenn ich nunmal die Interessen meines Arbeitgebers vertreten muss ?
    Du sprichst mir aus der Seele, man kann über vieles diskutieren, andere Meinungen haben, aber eben auch andere Meinungen gelten lassen. Mein Motto ist „Leben und leben lassen“
    In den sozialen Medien ist es natürlich besonders schlimm, da kann man sich so richtig schön in seiner Anonymität verstecken. Aber wie gesagt, ich finde es auch sehr schlimm, was sonst überall so abgeht. Dieses „Hintenrum“, überall ! Ich habe bei manchen Menschen das Gefühl, die können nicht anders als meckern, rum hetzen, andere runter machen, weil sie selbst ja sowieso die Allergrößten sind !
    Ich habe ja das Glück gehabt, an den beiden letzten „richtigen“ CAR’s teilnehmen zu können. Und auch dieses Jahr war ich wieder sehr gerne dabei. Und ich habe dort großartige Menschen kennen gelernt. Sehr sehr schade fand ich das, was ich aber „nur“ vom Hörensagen wieder geben kann. Ich weiß also nicht, was stimmt und was nicht. Wenn es aber auch da Leute gegeben hat, die hier und da und dort gemeckert haben, dann sage ich, man muss so ein Event erst mal selbst auf die Beine stellen und organisieren. Ich fand es immer sehr sehr toll. Klar, auch für mich gab es was, dass ich gerne anders gehabt hätte, aber hey, deswegen war das Event als Ganzes doch immer noch großartig. Ich muss mich doch nicht auf ein kleines negatives (nicht mal negativ, einfach anderes) Detail konzentrieren sondern das Positive in allem anderen sehen.
    Ich hoffe, jetzt fühlt sich niemand von mir angegriffen, es gibt sicher vieles, von dem ich nichts weiß und auch nicht darüber urteilen kann.
    Meine (!) Meinung ist auf jeden Fall, das es super schön beim CAR war, auch alle anderen Crops, die ich besucht habe, waren super schön, sehr positiv empfinde ich auch die tollen Freundschaften, die ich geschlossen habe umd wie gesagt, ich ziehe den Hut vor allen, die so etwas auf die Beine stellen und hinter den Kulissen dabei mit wirken ! Jetzt bin ich ein bisschen vom Thema abgekommen, aber das lag mir auch auf dem Herzen.
    In diesem Sinne, schöne Ostern allen und ganz liebe Grüße aus Coburg
    Angela Seifert

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