Mein Art Journal ist kreative Entspannung und schönste Resteverwendung! Und ich habe speziell dieses Art Journal selbstgemacht, es ist als Junk Journal aus einem alten Buch zusammen mit Gästen in einem Workshop entstanden.

Was ist überhaupt ein Art Journal?
Ein Art Journal ist eine Art kreatives Tagebuch, in dem du Gedanken, Gefühle und Ideen nicht nur mit Worten, sondern vor allem visuell ausdrückst.
Statt nur zu schreiben, gestaltest du die Seiten mit verschiedenen künstlerischen Mitteln, zum Beispiel:
- Zeichnungen oder Malerei
- Collagen (aus Zeitschriften, Fotos, Papier)
- Farben, Stempeln, Stickern
- Handlettering oder Schriftzügen
Dabei geht es nicht um Perfektion, sondern um persönlichen Ausdruck. Ein Art Journal kann:
- wie ein Tagebuch funktionieren (Erlebnisse festhalten)
- zur Entspannung und Stressabbau dienen
- deine Kreativität fördern
- helfen, Gedanken oder Emotionen besser zu verarbeiten
Kurz gesagt:
Ein Art Journal ist die Mischung aus Tagebuch + Skizzenbuch + kreativer Spielwiese.
Wenn du möchtest, klickt doch mal in der rechten Seitenleiste das Stickwort Art Journal an, dort findet ihr vielöe Tipps und einfache Ideen für euer Art Journal oder Junk Journal.
Zurück zu meinem aktuellen Exemplar. Langsam füllt es sich weiter. Im Januar, das ist der Monat, den man am liebsten aus dem Kalender streichen oder in tiefem Winterschlaf verbringen möchte. lief bei mir kreativ wenig.
Und genau dann mag ich es, ohne Plan einfach im Art Journal drauflos zu kleben und zu pinseln. Egal, was dabei entsteht. Manchmal whow! Manchmal meh, aber egal. Umblättern und eine neue Seite aufschlagen. So wie im Leben auch.
Wenn ihr kein Art Journal nicht erst selbst binden möchtet und direkt loslegen wollt, könnt ihr natürlich auch ein herkömmliches Skizzenbuch* verwenden.
Ich arbeite zurzeit wie erwähnt in meinem komplett selbstgebunden Junk Journal aus alten und selbstgestalteten Papieren. So sind einige Seiten, die ich aus Magazinen gerissen habe, bereits bedruckt. Ich habe sie zum Teil in mein Design integriert, zum Teil auch überklebt oder übermalt. Häufig nutze ich als Inspiration, das durch die Seite quasi vorgegebene Thema weiter auszugestalten. Wie diese Seite aus einem alten Straßenverzeichnis.
Dazu habe ich Stempel mit Häusern kombiniert, und sehr alte Papiere eines Bauzeichners aus 1933. Und als Farbakzent und krassen Kontrast den Schriftzug einer Einkaufstüte aus Papier.

In das Junk Journal haben wir damals Seiten aus einem Flow Magazin eingebunden. Zum vorgegebenen Text rechts passt der Baumstempel. So ganz ohne Plan ist meine Spielerei im Art Journal dann doch nicht immer, mein Kopf arbeitet schon unbewusst mit.

Art Journal selbstgemacht, mit Ephemera wie Parkscheinen und Kassenbons
Der Titel sagt es fett in rot. Ich bin ein Messi, was mein Auto angeht. Wer noch?
In meinem Handschuhfach sammle ich wochenlang Parkscheine, Postzettel und anderes Gedöns. Statt es dann wie jeder vernünftige Mensch in dem Müll zu werfen, habe ich den zusammengeknüllten Haufen erstmal locker auf dem Basteltisch fallen gelassen.
Dann zwei Seiten im Art Journal komplett damit beklebt. Gesso drüber, Texturpaste drüber. Aquarelltinte drüber. Mit Wasser besprüht und mit dem Embossingföhn getrocknet.
Und zack, die Schriftzüge der Belege verschwinden teilweise durch Hitze auf dem Thermopapier. Wieder was gelernt. Wenn ihr als Erinnerung (zum Beispiel in Urlaubs-Scrapbooks) solche Belege wirklich erhalten möchtet, kopiert sie unbedingt vorher.
Mir ging es hier mehr um die Collage Struktur der Seiten, und die Integration von Alltäglichem in meine Kunstwerken.


Alte Bücher. Ich sammle sie und verwende total gerne Seiten aus Lexika oder Wörterbüchern. Auch als Unterlage, um meine Farbrollen beim Gel Press Drucken oder meine Pinsel zu säubern. So entsteht fast wie von selbst schönes Collagematerial.
Das Foto flog noch auf dem Tisch rum, ich hatte es für mein Project Life versehentlich doppelt gedruckt. Die willkürlich aus dem Wörterbuch gerissene Seite gab die Farbe für diese Doppelseite vor.


Art Journal selbstgemacht, ohne dafür extra neues Material zu kaufen!
Neues ausprobieren, neue Farben, Pasten, Pinsel, Stempel. Und Resteverwertung, die Schnipsel, die durch meine vielen Gelprint Drucke zu Collage Papieren werden. Wenn sie nicht auf Scrapbooking Layouts landen.
Als Tim Holtz Anfang des Jahres die neuste Distress Farbe Scorched Timber vorgestellt hatte und ich sie zum Glück schnell zum Ausprobieren hier hatte. Verarbeitet im Art Journal, zusammen mit einer Schablone und Distress Grit Paste Snowfall*.

Käfer draußen oder gar in meiner Nähe, igitt. Käfer von Tim Holtz* im Art Journal sind natürlich voll okay. Zusammen mit ausgerollter Farbe und Collagepapieren von der Gel Press.

Manchmal hilft mir Art Journaling auch künstlerisch zu reflektieren. Die rechte Seite auf dem oberen Bild ist so ein Beispiel, es ist aus einer Stressituation heraus entstanden.
Ihr könnt eurern inneren Stimmen Raum geben, sodass diese sich auf Papier zeigen. Meine Erfahrungen:
- Durch Art Journaling wird mein Gedankenkarussell gestoppt.
- Anspannungen und Stress kann ich mithilfe von Art Journaling besser verarbeiten.
- Ich kann Dinge loslassen oder verwenden, die mir ansonsten nicht mehr nützlich sind.
- Ich setze mich mit Ereignissen auseinander und gebe ihnen eine Bedeutung und öffne gleichzeitig den Blick in Richtung Zukunft.
- Ich hole mir die Farbe in meinen Alltag, die mir guttut.

Heutzutage ist Art Journaling ja auch ein wunderbarer Ausgleich für alle, die tagsüber hauptsächlich mit dem Kopf oder am Computer arbeiten. Oder zuviel am Handy hängen. Wenn man sich an einem Art Journal versucht, darf der Intellekt nur zuschauen. Man komms wieder mehr mit seiner Intuition und seiner verspielten Seite in Kontakt. Mitunter gewinnt man so auch ganz neue Erkenntnisse über sich selbst.
Unter Umständen oder nein, ganz sicher erweitert ihr auch euren künstlerischen Horizont und verbessert eure gestaltertischen Fähigkeiten. Außerdem macht einfach auch unfassbar viel Spaß, durch ein gut gefülltes Art Journal zu blättern.
Zum großflächigen Kleben im Art Journal verwende ich übrigens einen Klebestift, der trocknet schnell. Und zum Kleben von dünnen Collagepapieren oder Seidenpapier, das transparent werden soll, klassisches Gel Medium* mit dem Pinsel aufgetragen.

Momentan habe ich zwei Art Journals in Gebrauch, dieses hier und eins aus einem alten Bilderbuch.
Neues ausprobieren, neue Farben, Pasten, Pinsel, Stempel. Und Resteverwertung, die Schnipsel, die durch meine vielen Gelprint Drucke zu Collage Papieren werden. Wenn sie nicht auf Scrapbooking Layouts landen.
Wenn ich einfach ohne Plan oder festgelegtes Ergebnis irgendwas kreatives machen möchte, greife ich zu einem meiner Art Journals. Wenn ich neue Farben oder Werkzeuge ausprobieren möchte, passiert das oft im Art Journal. Wenn ich einem alten Buch neues Leben einhauchen möchte, wird daraus ein Art Journal.
Ich kann Papier auch wirklich schwer wegwerfen. Irgendwie kann ich dann doch meistens Schnipsel oder Reste, die von bestimmten Projekten auf meinem Basteltisch noch rumliegen, im Junk Journal oder Art Journal verwenden. An mancchen Tagen werfe ich aber auch gnadelos weg, das muss auch mal sein. Es ist immer ein wenig von meiner Stimmung abhängig.
Inzwischen habe ich auch eine neue Leidenschaft entwickelt. Da ich noch nicht genug Papier habe (Ironie an) sammle ich auf Flohmärkten besonders schöne alte Papiere. Wie schön haben die Menschen früher bitte geschrieben! Und wie viele wunderbare Zeitdokumente habe ich schon in Wühlkisten auf dem Trödel gefunden. Mir tut es immer ein wenig leid, wenn ich zum Beispiel alte Liebesbriefe oder Tagebücher dort finde. Und denke: wie gut, dass die Menschen, die mit Hingabe diese Zeilen geschrieben haben nicht mehr mitbekommen, dass ihre Erinnerungen quasi im Müll landen. Ich versuche ihnen weiter irgendwie eine Stimme zu geben und das als Rohstoff auch wertvolle Papier noch einmal zu nutzen. Klingt das sentimental? Bestimmt. Aber mir macht es Freude, das ist das Wichtigste.
Noch mehr Tipps für euer Art Journal findet ihr hier oder in Basics zum Art Journal, oder auch im Beitrag zur Aufbewahrung für eure Schnipsel oder Collagematerial.
Wörtlich aus dem Englischen übersetzt bedeutet Art Journal übrigens ‘Kunst-Tagebuch’. In solch einem Tagebuch können nach Lust und Laune eigene Ideen, Erinnerungen oder Wörter festgehalten werden. Dies können bunte Farbkleckse, eine einfarbige Seite, ein Gedicht, Wörter, verschiedene Papiere, Collagen, Fotos, Zeichnungen, eben einfach alles sein.
Schon große Künstler, wie z. B. Leonardo da Vinci und Frida Kahlo, haben Art Journals geführt. In ihnen haben sie flüchtige Gedanken festgehalten, Eindrücke notiert, Skizzen vorbereitet und vieles mehr. In Art Journals kommt viel Mixed Media zum Einsatz: Collage, Stempel- und Schablonentechniken, Ink-Sprays, Klebebänder und so weiter und so weiter.
Noch ein Tipp zum Anfangen: blättert durch eine Zeitschrift oder ein Magazin und schneidet eich Schnipsel aus, für eine Collage. Worte, Titel oder Sprüche die euch ansprechen. Klebt die Schnipsel auf eine Seite im Journal, die ihr vorher mit Stiften oder Farbe eingefärbt habt. Fertig ist die erste Seite in eurem Art Journal!
Wenn es etwas therapeutischer sein darf, sind hier noch 15 Fragen zur Selbstreflexion:
- Wer bin ich, wenn niemand zusieht?
- Was für ein Mensch will ich gewesen sein?
- Welche Menschen sind mir im Leben wirklich wichtig?
- Wofür stehe ich jeden Morgen auf?
- Was bedeutet Erfolg für mich?
- Was ist mein größter Traum?
- Was hält mich davon ab, ihn mir zu erfüllen?
Alles ist erlaubt!
Ich bereite übrigens gerade neue Mixed Media Scrapbooking Workshops mit Gel Press Techniken vor und so entstehen viele Muster. Mein Vorrat an Collagepapier wird dadurch nicht wirklich kleiner, haha.
Alles Liebe
Barbara
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