Art Journaling ist für mich eine wunderbare Möglichkeit, Kreativität und manchmal auch die Verarbeitung meiner Gedanken zu verbinden – ganz ohne Regeln oder Perfektionsdruck. Farben, Collagen und Strukturen gestalten und meistens auch noch ein paar reflektierende oder motivierenden Worte, in meinem Art Journal gibt es kein richtig oder falsch.
Und wenn es mir mal nicht gut geht, kann es für mich eine Art von Therapie sein. Diese Erfahrung habe ich am Wochenende wieder gemacht und ich teile gerne heute meine Gedanken dazu mit euch. Denn mein liebstes Zitat über’s Bloggen, das ich vor Jahren auf einer BLOGST Konferenz gehört habe, ist immer noch *Bloggen ist nicht alles für sich behalten*.
Ganz nach dem Motto: Weg mit dem Erwartungsdruck – rein in die Entspannung! Denn genau darum geht es meiner Meinung nach beim Art Journaling: die Freude am kreativen Prozess. Im Flow sein, sich treiben lassen und einfach erschaffen – ohne Druck, ohne Regeln, nur für mich.
Ich habe in den letzten Tagen wieder einige Seiten in meinem aktuellen Art Journal, dem Dina Wakly MEdia Ledger Journal, gestaltet. Ich mag das Journal immer noch sehr, da es bedruckte Seiten wie in einem alten Kassenbuch hat. Inzwischen habe ich allerdings auch festgestellt, dass die Seiten nicht viel Feuchtigkeit vertragen. Und ich liebe Techniken mit Aquarell, viel Gel Medium und Tinten. Es geht schon, aber die Seiten ziehen sich nach dem Trocknen nicht wieder komplett glatt. Irgendwie stört es den Monk in mir ein wenig, aber Art Journaling lebt eben auch vom Imperfekten. Ich werde Techniken mit viel Feuchtigkeiten jetzt doch öfter in meinem Art Journal mit dickeren Seiten aus Aquarellpapier* machen. Und im Ledger Journal mehr Collagen mit meinem Lieblings-Klebestift* machen.
Diese Seiten sind bei meinen ersten Experimenten mit Gelli Plate Drucken mit eigenen Fotos entstanden. Inzwischen habe ich diese Technik noch wesentlich verbessern können und mehrere erfolgreiche Workshops zu diesem Thema veranstaltet.
Für die linke Seite hatte ich ein Foto der Treppe von Schloss Sancsoussi auf der Gelli Plate auf Seidenpapier gedruckt. Rechts war das Motiv ein Foto meiner Blumendekoration aus der Osterzeit, ein paar Traubenhyazinthen in einer Glasvase.

Hier habe ich eigentlich nur ein paar Papierreste verarbeitet, die bei mit immer beim Gel Press Druck anfallen, es war ein Test mit Alcohol Ink und Schablonen auf einer kleineren A4 Gelli Plate*, mit der ich direkt in das Art Journal gedruckt habe.

Art Journaling und die Briefmarken Stanze
Und weil ich immer noch so viele Fragen dazu bekomme, gehe ich auch gerne nochmal auf das Thema Briefmarkenstanze ein.
Ich hatte im Februar angefangen, einen Trend aus dem Netz aufzugreifen. Kleine Motive aus alltäglichen Verpackungen auszustanzen schärfte meinen Blick für Details und Ende Mai war eine Seite komplett mit diesen kleinen Alltags-Schnipseln gefüllt.

Auf der rechten Seite habe ich die inzwischen virale Briefmarkenstanze* verwendet, um aus meinen selbstgemachten Collage-Papieren Schnipsel für Art Journaling zu stanzen und in einer sehr geordneten Umgebung – der Stempel ist von PaperArty/Seth Apter – unterzubringen. Das ist das Schöne beim Art Journaling, jede Seite kann anders aussehen. Manchmal kann ich daran auch meine Stimmung ablesen. Brauche ich Ordnung und Struktur, kann ich das zum Beispiel so entsprechend darstellen.

Die Erfahrung mit meinen alltäglichen Verpackungen fand ich außerdem wirklich spannend. Deutsche Verpackungen sind nach meiner Wahrnehmung oft nicht besonders kreativ. Quadratisch, praktisch, gut. Deutsch? Vielleicht. Geht man dagegen in einen Laden für Produkte aus Japan, Korea oder China sieht es anders aus, besonders für das kreative Auge.
Ich werde das Thema sicher irgendwann weiter führen, vielleicht auch mit Papieren und Broschüren, die ich auf Reisen sammle.
Art Journaling als Therapie, für mich funktioniert es, um den Kopf wieder frei zu bekommen
Am vergangenen Wochenende kamen bei mir wieder mal Gedanken auf, die ich lieber weggeschoben hätte. Belasteten mich, verursachten mir schlaflose Nächte und beschäftigen mich mehr, als es mir gut tut. Im Auto hörte ich eher zufällig einen Song aus einer meiner Spotify Playlists, “Birds still sing” von Taylor Acorn. Ein wunderbarer Song, und ich hörte zum ersten Mal bewusst den kompletten Text. Und er traf und beschrieb in diesem Moment so gut meine Gefühle! Wieder zuhause holte ich mein Art Journal raus, druckte mir die Lyrics aus und in Kürze verwandelte sich mein Tisch in mein übliches kreatives Chaos. Und ich spürte, wie sich das Chaos in meinem Kopf verwandelte. Von stürmischen Wellen in sanfte Wogen.

Collage-Papiere, Stempel, Farben, Schablonen und Kleber holten mich zurück aus dem destruktiven Gedanken-Karussell, meine Finger waren voll mit Farbe und Kleber und mein Kopf wieder mehr mit dem beschäftigt, was mir Freude macht.


Ich hatte probeweise kurz vorher florale Motive auf sehr dünnem Transparentpapier auf dem Laserdrucker ausgedruckt. Auf diesen Seiten wollte ich ausprobieren, wie das Papier sich beim Art Journaling verarbeiten lässt. Mit dem von mir geliebten Gel Medium* funktionierte das nur semi-gut, da das Transparentpapier nicht besonders saugfähig ist. Beim nächsten Mal versuche ich es mit einem Klebestift.

Die Probleme und Gedanken, die mich zurzeit beschäftigen, lösen sich natürlich durch therapeutisches Art Journaling nicht einfach in Luft auf. Auch auf diesen beiden Seiten kommen sie noch zum Ausdruck. In meiner Kiste mit Collage Papieren fand ich einige alte Reclam Hefte aus meiner Schulzeit. Mit was wurden wir da eigentlich in der Schule gequält? “Nathan der Weise” von Gotthold Ephraim Lessing und “Der gute Mensch von Sezuan” von Bertholt Brecht mussten dann dran glauben und ich habe einige zu meinen Gedanken passende Worte daraus ausgeschnibbelt.

Zufällig – oder vielleicht war es auch Schicksal – lag ein Jugendfoto meiner Mutter auf einen Stapel Bilder mit auf dem Tisch. Es passt sowas von perfekt zu den Gedanken, die mich gerade so beschäftigen und so fügte sich alles zusammen.

In der darauf folgenden Nacht habe ich definitiv Schlaf nachgeholt, und fühlte mich wieder etwas mehr wie ich selbst. Kunst als Therapie ist nichts Neues. Verarbeiten von Gedanken in Bildern auch nicht. Es löst auch nicht unbedingt alle Probleme. Aber wenn aus der kreativen Auseinandersetzung mit Gedanken etwas entstehen kann, das ein paar Stunden ablenkt von der Grübelei und Freude macht, hat es für mich durchaus eine kleine therapeutische Wirkung.
Ich habe vor einigen Jahren bereits mein Scrapbooking als Therapie genutzt. Und wenn ich diese Layouts aus einer sehr schweren Zeit in meinem Leben jetzt anschaue, sind meine Gefühle und Erinnerungen immer noch schmerzhaft, aber es tut nicht mehr so weh und sie sind zu einer sentimentalen, aber wichtigen Erinnerung geworden.
Die KI sagt:
Warum Art Journaling helfen kann
Beim Art Journaling werden Bilder, Farben, Collagen, Zeichnungen und Texte kombiniert, um Gedanken und Gefühle auszudrücken. Dadurch kann man:
- Emotionen sichtbar machen, die sich schwer in Worte fassen lassen.
- Stress und Anspannung reduzieren, weil die Aufmerksamkeit auf den kreativen Prozess gelenkt wird.
- Gedanken ordnen und Muster im eigenen Erleben erkennen.
- Selbstreflexion fördern, indem man regelmäßig festhält, was einen beschäftigt.
- Selbstwertgefühl stärken, weil es nicht um Perfektion, sondern um Ausdruck geht.
Art Journaling kann das Wohlbefinden fördern, ersetzt aber keine professionelle Hilfe bei schweren psychischen Belastungen wie Depressionen, Traumafolgen oder starken Ängsten. In solchen Fällen kann eine ausgebildete Kunsttherapeutin oder ein Kunsttherapeut den kreativen Prozess gezielt begleiten.
Davon kann ich vieles für mich bestätigen. Und ich hoffe, ich kann euch ein wenig inspirieren, euch einfach ein Journal, Stift und Schnipsel zu schnappen, wenn es euch mal nicht so gut geht.
Alles Liebe
Barbara
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