Jetzt ist er da, der Herbst. Ich habe gestern meinen Kleiderschrank gesichtet und umsortiert, da ich wirklich lange im Sommermodus war. Also ab jetzt lange Hose und lange Ärmel. Und Jacke. Aber ob ich meine eiserne Regel “keine Socken vor November” durchhalten kann, bezweifle ich ein wenig.

Ich bin gespannt, was da alles in den nächsten Monaten auf uns zukommt, nachdem ich jetzt mehrfach den Begriff “Super El Niño” gelesen habe. Jetzt deutet alles auf den stärksten El Niño aller Zeiten hin. Das ist in den vergangenen 150 Jahren erst viermal passiert. 1877 wussten die Menschen nicht, was kommt. Heute wissen wir es dank mehr als 4.000 Messinstrumenten im Pazifik, die seit den 1990ern Echtzeitdaten liefern. Das Frühwarnsystem funktioniert. Aber es steht unter Druck. Nun ja, hoffen wir mal, dass es nicht so schlimm kommt, wie einige Forscher befürchten. Und es gibt trotz allem auch positive Auswirkungen, dazu habe ich euch in den Freitagstipps etwas verlinkt.
Und endlich mal wieder packe ich heute meinen Koffer für ein paar Tage Kurzurlaub auf Sylt und einen Besuch bei meiner Freundin an der Ostsee. “Bring eine Mütze mit, Boots und warme Klamotten”, war ihre Aussage gestern. Da kommt Freude auf. Aber trotz des Wetters, mit dem man ja an der Nord- und Ostsee oft Überraschungen erlebt, freue ich mich total auf diese kleine Auszeit. Und da ich meinen Laptop zuhause lasse, macht der Freitagsblog und die Freitagstipps in der kommenden Woche auch eine Pause.

In den letzten Tagen habe ich den zweiten Blogbeitrag zum Crop Am Rhein 2026 geschrieben und mich mit den Projekten der kommenden Adventswerkstatt beschäftigt. Die war zu meiner großen Freude ratz fatz ausgebucht, ich konnte aber noch Material nachbestellen und so fünf zusätzliche Plätze anbieten. Davon sind aber auch nur noch zwei Plätze verfügbar, mehr geht dann leider nicht. Wenn ihr Interesse habt und meinen Newsletter zur Adventswerkstatt nicht erhalten habt, meldet euch gerne über das Kontaktformular.
Gleichzeitig sprudeln gerade die kreativen Ideen nur so, bei mir läuft das immer in Phasen. Deswegen habe ich direkt für den nächsten Workshop Ende Januar geordert. Ich werde in der nächsten Woche die weiteren Termine für Workshops ergänzen.
Sonst war auch nicht viel los in meinem Alltag zuhause. Als ich dann gestern wieder meine 90jährigen Tante besuchte, kramte sie Kisten (Schuhkartons) mit alten Unterlagen aus dem Schrank. Urkunden, Dokumente, jede Menge Todesanzeigen und diese kleinen Blättchen, die man bei Beerdigungen immer in der Kirche bekam. Ich stöberte etwas darin herum und fand unter anderem einen auf einer Schreibmaschine getippten Brief meines Großonkels Hans. Der hatte eine Apotheke in Berlin-Friedenau. Später verlagerte er sein Geschäft in den Westen und ich erinnere mich daran, wie faszinierend ich als Kind, wenn ich ihn mit meiner Mutter besuchte, diese wunderschönen alten Schränke und Schubladen dort fand. Und dass ich immer kleine Tütchen mit kleinen weißen Pfefferminzpillen bekommen habe.
Zurück zum Brief, der war vom 26. Dezember 1948. Was für ein Zeitdokument! Ich bin froh, dass meine Tante ihn aufgehoben hat. Mein Großonkel schrieb unter anderem:
„Aber auch der Umsatz mit der Krankenkasse (Versicherungsanstalt Berlin) ist sehr erheblich zurückgegangen Keiner traut sich mehr, längere Zeit krank zu sein, um nicht seine Stellung zu verlieren Durch die nur stotternde Zahlung der Krankenkasse ist man sehr eingeschränkt in seiner finanziellen Disposition.”
Interessant, oder? Ich war sehr überrascht. Damals hatte er aber auch noch mit ganz anderen Problemen zu kämpfen. Er schreibt weiter:
Auch mein Labor ist natürlich durch alle die umstände und Schwierigkeiten in Mitleidenschaft gezogen. Es ist erst ein Teil fertig; es wird auch gearbeitet. Ich beschäftige einen Chemiker, einen Apotheker, mehrere Assistentinnen und sonstiges Hilfspersonal. Aber die Rohstoffbeschaffung ist schwer geworden, zumal man aus dem Westen kaum kaufen kann, da die Überweisung der Gelder nach dort zeitraubend und schwierig ist. Aus der Ostzone, woher ich auch viele Maschinen bekommen werde, kann man nur noch mit Genehmigung der Deutschen Wirtschaftskommission beziehen. Diese gibt aber nur frei für Verwendung im Ostsektor, in den Westsektor kann man die Sachen auch nicht verbringen lassen, da strenge Übergangskontrollen an den Sektorengrenzen bestehen. Alles wenig erfreulich und hemmend!
Wie soll das Alles nur weitergehen? Wie und wird die Blockade einmal enden?
Die Westsektoren werden immer mehr eingekeilt, die Möglichkeiten werden immer weniger. Es ist eine verzweifelte Situation;ich bin sehr deprimiert und sehe der weiteren Zukunft nicht rosig entgegen.
Ich fragte mich, was seine Sätze genau bedeuteten; wieder zuhause googelte ich etwas herum und frischte mein Geschichtswissen auf. Die Berliner Blockade vom 24. Juni 1948 bis zum 12. Mai 1949 war die erste große Krise des Kalten Krieges. Die sowjetische Militäradministration riegelte West-Berlin für fast ein Jahr komplett von der Außenwelt ab.
Für die rund 2,2 Millionen Einwohner brachen die Lieferungen von Lebensmitteln, Medikamenten und Kohle sofort weg. Der sowjetische Sektor stellte zudem fast alle Energielieferungen ein, weshalb in West-Berlin das Licht ausging und Gasheizungen blockiert blieben. Und ja, deswegen gab es dann die berühmte Berliner Luftbrücke.
Wie spannend! Ich glaube, ich steige jetzt in die Ahnenforschung ein, heutzutage wird das mit digitalen Archiven ja immer einfacher. Hat jemand von euch Erfahrung damit? Ich freue mich sehr über Tipps!

Kleiner Reminder: Die Welt macht jeden Tag für uns immer wieder schöne Dinge, auch wenn niemand danach fragt. Moos auf Backstein. Dampf aus Kaffee. Ein wirklich guter Wolkenhaufen. Sonnenlicht auf dem Boden, das seinen kleinen goldenen Unsinn macht. Aaahhhh.
Und sonst so?
Clusterfuck ist genau das richtige Wort für das, was uns in den letzten Tagen an Nachrichten überrollt hat.
Was mir besonders in Erinnerung geblieben ist: die die bemerkenswerte Wortmeldung und Rede der Grünen Fraktionsvorsitzenden in Sachsen-Anhalt, Susan Sziborra-Seidlitz, direkt nach der Wahl des AfD-Kandidaten, während die AfD Typen schon gerade jubelnd aufspringen wollten. Eine großartige Rede und Hut ab, sich dahin zu stellen, in die grinsenden Gesichter zu schauen und, so nahm ich es wahr, mit sehr viel Angefasstheit so deutliche Worte auszusprechen.
Ein Blick darauf wie die Parteien sich nach der Wahl im Landtag von Sachsen-Anhalt verhalten haben sagt schon alles. Grüne: Die Fraktionsvorsitzende unterbricht den Jubel der Faschos und hält eine beeindruckende Rede. SPD: Überreichen als „Glückwunsch” ein Grundgesetz und eine weiße Rose als Symbol des Widerstands gegen den Nationalsozialismus
CDU: Noch MP Schulze überreicht Tobias Rausch einen riesigen Blumenstrauß und schüttelt ihm mit ein paar Worten die Hand. Und Merz will uns alle für dumm verkaufen mit seiner “False Flag” Behauptung. Wir wissen, wer es war, Fritz.
Ausserdem denke ich oft noch voller Wut an Christian Lindner, der das alles erst möglich gemacht hat. Aber ich bin froh, dass man sich wenigstens bei Angela Merkel sicher sein kann, dass sie in absehbarer Zeit keine PR-Termine in russischen Supermärkten (wie ihr Vorgänger Schröder gestern) wahrnehmen wird. Oder Infos an fremde Geheimdienste verkauft. Heutzutage ist ja nix mehr selbstverständlich.
Ich weiß auch immer noch nicht, wie bei der CDU aus „frühzeitiger Intervention durch gut ausgebaute Sozialarbeit” dieses „Die wollen die Polizei abschaffen” geworden ist. Jede Studie zu Kriminalität sagt, dass Straftaten durch soziale Sicherungssysteme verringert und verhindert werden können, weil Armut, Bildungsferne etc. und Kriminalität direkt miteinander verknüpft sind.
Und noch eine schöne Story aus dem Irrenhaus in Washington. Gesundheitsminister RFK Jr. hat angeblich mit seiner Bundesbehörde für Gesundheitsversorgung mit fast 800.000 Dollar an Bundesmitteln ein Forschungsprojekt gesponsert. Ein russisches staatseigenes Labor mit Verbindungen zur sibirischen Einrichtung, in der vorgestern eine Mitarbeiterin an der Pest verstorben ist. Die Mittel gingen dabei an Forschungen, die Füchse in Sibirien betrafen. Sehr undurchsichtig.

Mein Highlight der Woche: Robert Habeck im Interview beim Tagesspiegel. Zitat: „Friedrich Merz agiert offensichtlich innerhalb seiner Möglichkeiten”. Das Coaching von und mit Habeck aus der Reihe “Eloquent Beleidigen für Fortgeschrittene.” Es wäre wohl eines der sehr wenigen Trainings, die sich ernsthaft lohnen würden. Ich würde es buchen!
Good News!
Wenn wir immer nur darauf schauen, was schiefläuft, verlieren wir schnell aus dem Blick, was gelingt – und wie innovativ die Welt sein kann. In Berlin wurde erstmals ein 19jähriger Patient mit einer schweren Blutkrankheit erfolgreich mit einer Crispr-Gentherapie behandelt.
Forschende in Italien stellen Bio-Zement aus Muschelschalen her, die eigentlich ein Abfallprodukt sind.
Und Vanillin könnte künftig mehr können, als Lebensmitteln Geschmack zu geben: Forschende sehen in dem Aromastoff Potenzial für die Behandlung chronischer Wunden. In vorklinischen Versuchen wirkt Vanillin unter anderem gegen Bakterien und Entzündungen und kann die Heilung unterstützen. Weitere Studien dazu sind in Arbeit.

1. Ich bin wirklich ________ .
2. ________ beruhigend.
3. Wäre nächste Woche Weihnachten, _________.
4. ________ ist sehr bequem .
5. Wenn ich an Paris denke, __________ .
6. Man nehme etwas _________ , füge_______ dazu , und _________ .
7. Was das Wochenende angeht, heute Abend freue ich mich auf ___________ , morgen habe ich geplant, _________ und Sonntag möchte ich _________ !
Wenn ihr mitmachen wollt, könnt ihr die Fragen vom Freitagsfüller gerne auf euren Blogs beantworten und im Kommentar verlinken. Oder aber ihr beantwortet direkt hier in den Kommentaren, wenn ihr keinen eigenen Blog habt. Ich freue mich auf eure Antworten oder auf das Stöbern auf euren Blogs, danke für’s Mitmachen beim Freitagsfüller! Und euer Interesse an meinen Freitagstipps, die kommen jetzt. Ich freue mich übrigens auch, wenn ihr meine Freitagstipps durch eure eigenen Freitagstipps in den Kommentaren ergänzt!
Meine Freitagstipps für euch
Freitagstipps zum Gucken
Der Literatur-Klassiker “East of Eden” von John Steinbeck (die Erstverfilmung mit James Dean ist legendär) wurde von Netflix als sechsteilige Serie neu verfilmt. Die Geschichte über Familie, Liebe, Schuld und die ewige Frage nach Gut und Böse wird dabei neu und tiefgründig interpretiert und hat mich sehr gepackt. Im Gegensatz zur von Elia Kazan verfilmten Kinoproduktion rückt in der neuen Verfilmung durch seine Enkelin Zoe Kazan die weibliche Hauptfigur Cathy stärker in den Fokus.
So erhält die Kain & Abel Geschichte eine moderne Perspektive auf Herkunft, Freiheit und die Frage nach dem eigenen Schicksal. Dabei ist sie ein historisches Familiendrama mit weiten Landschaften, patriarchal geprägten Welten und strengen gesellschaftlichen Regeln, die von Cathy, grandios gespielt von Florence Pugh, gebrochen werden. Dennoch geht es vor allem darum, was es bedeutet, wenn sich eine Frau komplett den Erwartungen an Ehe, Mutterschaft und Familie verweigert. Ganz große Empfehlung, ich habe die Serie am vergangenen Wochenende in einem Rutsch durchgesuchtet.
Und dann habe ich ein kleines Juwel bei Magenta+ (läuft auch auf ARD plus) entdeckt. Die Erbschaft ist eine dänische Dramaserie mit inzwischen drei Staffeln in 26 Folgen. Ich bin fast am Ende von Staffel eins und mag es, noch länger Teil der Geschichte zu sein. Mittelpunkt der Serie ist ein altes, farbenfrohes und etwas heruntergekommenes Anwesen auf dem Lande, das der exzentrische Bildhauerin Veronika Grønnegaard gehört. Sie hinterlässt der jungen Floristin Signe Larsen das Familienanwesen. Der Kampf um das Erbe wird für Veronikas vier Kinder zu einer Reise in wohl gehütete Familiengeheimnisse und ist ein wunderbares Porträt einer Familie der 68er Generation. Mit kleinen skurrilen Momenten, großen Gefühlen, durchweg starken Schauspielern und langweilig wird es in dieser Familie nie. Die Serie wirft auch die alte Frage vom Generationenkonflikt zwischen 68er-Eltern und deren Kindern auf: Wie soll man selbst erwachsen werden, wenn die Eltern es im Geiste und teils auch äußerlich nie geworden sind? Heißt Rebellion dann, spießiger zu werden als die eigenen, ach so unangepaßten Hippieeltern?
Freitagstipps zum Lesen
Bals ist es wieder soweit. Vor oder zurück mit der Uhr, wie war das nochmal? Über die Abschaffung der Zeitumstellung wird seit Jahren diskutiert. Fachleute haben sich genauer angeschaut, was für die Gesundheit am besten wäre. Dauerhafte Sommerzeit hätte einen entscheidenden Haken.
Das bayrische Nizza hatte ich so gar nicht auf dem Schirm, interessant.
Um nochmal auf das Wetter, mein Thema zu Anfang des Posts zurückzukommen: es gibt trotz allem auch Positives dazu. In der Atacama-Wüste an der Pazifik-Küste Südamerikas ist derzeit ein spektakuläres Phänomen zu beobachten: An einem der trockensten Orte der Welt sprießen zahlreiche Blumen. Ursache ist das Klimaphänomen “El Niño”,
Freitagstipps zum Hören
Die AfD schlagen – geht das mit Social Media? Diese aktuelle Live-Folge des Anne Will Podcasts mit der großartigen Journalistin Nicole Diekmann und Manuela Schwesigs erst 25 Jahre alten PR- Expertin Lilly Blaudszun fand ich erfrischend, drei kluge Frauen mit Humor und Eloquenz, trotz des schwierigen Themas.
Für meine längeren Autofahrten in den nächsten Tagen habe ich mir schon den neuen ZEIT Podcast “House of Block” abgespeichert. Die Story um den laufenden Gerichtsprozess gegen Christina Block hat ja auch in dieser Woche eine ganz neue Brisanz bekommen. Wer hätte gedacht, dass Ex-Sportreporter Gerhard Delling, der frisch in U-Haft sitzende ehemalige BND-Chef, Wolfgang fucking Kubicki und ein Ex-Mossad-Agent irgendwie alle in die Kindesentführung einer deutschen Steakhouse-Erbin verwickelt sind.
Das waren meine Freitagstipps, Gedanken und Geschichten für diese Woche. Vielen Dank für’s Vorbeischauen, wenn ihr bis hierher gelesen habt.
Ich hoffe, es ist etwas Interessantes für euch dabei. Und ich freue mich immer, wenn ihr meine Freitagstipps in den Kommentaren ergänzt. Heute verkündet übrigens das Norwegische Nobelkomitee, wer den Friedensnobelpreis bekommt, und das ist doch ein schöner Anlass, sich noch einmal kurz daran zu erinnern, wer ihn letztes Jahr nicht bekommen hat.
In diesem Sinne, Hoch die Hände, Wochenende!
Alles Liebe


3 Comments
Guten Morgen 🙂
Danke für die Freitagstips und: Schönen Urlaub, grüsz mir die See!
Nordsee kenne ich gar nicht, Ostsee von ganz früher…
Herbstgrüsze aus dem Harz
Mascha
Guten Morgen,
ich bin natürlich auch wieder mit dabei.
https://sakuyasblog.blogspot.com/2026/10/bloggeraktion-freitagsfuller_074991148.html
Habt alle ein schönes Wochenende,
Mella
[…] Und zum Abschluss auch dieses Mal wieder Wochenlieblinge mit dem Freitagsfüller von Babara. […]