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Gedankensalat, Freitagstipps und # 883

14. August 2026

Da bin ich wieder, und bald auch schon wieder weg. Urlaubssaison halt.

Und ich liebe den Sommer. Punkt.

Ja, ich bin privilegiert

  • da ich einen Garten habe, den ich den ganzen Tag nutzen kann.
  • da ich nicht im Dachgeschoss schwitzen muss.
  • da ich gerade nicht arbeiten muss und auch sonst keine Termine habe.

Und nein,

  • es ist mir absolut nicht egal, dass dieses Wetter schon so viele Hitzetote gefordert hat und es überall brennt.
  • Ich wünsche mir trotzdem dringend Regen für die Natur.
  • Ich bin mir des Klimawandels sehr wohl bewusst und tue viel, um nicht weiter dazu beizutragen.

Ich denke, diese Gleichzeitigkeit von Bewusstsein für die Probleme und dem trotzdem-genießen des “schönen Wetters” ist für viele von uns schwer nachvollziehbar.

Freitagstipps Hortensien

Obwohl, in London fand ich die Hitze schon sehr grenzwertig. In einer Großstadt, die inzwischen fast wie eine Wüste aussieht, ohne einen Windhauch und bei meiner Tochter in ihrem alten viktorianischen Haus ohne Klimaanlage und Durchzug habe ich manchmal heimlich gestöhnt. Oder in der U-Bahn, wo gefühlt Sauna-Temperaturen herrschten.

Trotzdem waren es wieder fünf wunderbare Tage. London ist einfach fantastisch. Zufällig war eine meiner Bloggerfreundinnen aus Köln gleichzeitig da, und so konnte ich die Zeit, in der meine Tochter arbeiten musste, wunderbar mit Selmin verbringen und neue Wege in der Stadt erkunden. Mehr dazu weiter unten in den Freitagstipps!

Freitagstipps London

Und ich werde selbstverständlich einige Erlebnisse und neue Tipps in einem Blogbeitrag für alle, die es interessiert, zusammenschreiben.

Habt ihr am Mittwoch die Sonnenfinsternis gesehen? Ich hatte es natürlich verpeilt, mir rechtzeitig eine Schutzbrille zu besorgen, schon zwei Tage vorher war alles ausverkauft. Ich erinnere mich noch sehr gut an die totale Sonnenfinsternis 1999. Meine Kinder waren noch klein, ich war zu der Zeit Vorsitzende einer Elterninitiative und deswegen im Kindergarten. Mittags wurde es zappenduster, unheimlich ruhig und wir klebten an den Fenstern, da die Kinder nicht raus sollten.

Vorgestern fand ich es nicht ganz so spektakulär, da es ja nur eine partielle Eclipse war. Ich beobachtete das Spektakel in einer Gruppe mit meinen Nachbarn (die mir netterweise eine Brille liehen) hier bei uns oberhalb des Neandertals.

Es war am Ende gar nicht die Sonnenfinsternis allein, die das Ganze so besonders gemacht hat. Es waren die Menschen. Dieser gemeinsame Moment, auf der ganzen Welt und auch in den Medien. Dieser komplette Enthusiasmus für etwas, das einfach gerade am Himmel passiert. Ein Moment der Hoffnung und Einigkeit, einfach schön. Es wirkte auf dem Höhepunkt kurz so, als hätte die Natur einen Sepia Filter über alles gelegt.

Freitagstipps Sonnenfinsternis

Ab Montag bin ich dann für ein paar Tage an der Nordsee. Auf Borkum, um genau zu sein, bei angenehmen 20 Grad. Ich hatte seit Wochen weder eine lange Hose, noch lange Ärmel oder gar eine Jacke (!) an. Der Gedanke, das alles einzupacken ist jetzt gerade nicht so prickelnd, aber ich freue mich trotzdem sehr drauf. In kühler Luft schlafen zu können, viel Zeit mit meiner Familie zu verbringen, am Strand entlang zu laufen und Regen und Wind im Gesicht zu spüren. In Cafes heißen Latte statt Iced Coffee zu trinken und einfach nur zu chillen. In London oder Berlin schaffe ich das nie, also nur chillen, FOMO lässt grüßen. Deswegen ist die ruhige Nordseeinsel jetzt ein schöner Kontrast.

Im Übrigen habe ich heute bei 34 Grad eine komplette Packung Schwarzwälder Kirsch Eiscreme verspeist, 475 g. Alleine. Die eine Hälfte nachmittags und den Rest abends.

Und sonst so?

Was mir immer häufiger auffällt, wenn ich im Ausland war: Veränderung wird hier erstaunlich oft nicht als Chance verstanden, sondern als Bedrohung. Besonders bei Digitalisierung und Verwaltung sieht man, wie sehr an bestehenden Strukturen festgehalten wird, selbst wenn sie längst nicht mehr zeitgemäß sind. Man lebt von alten Erfolgen, aber das bringt uns nicht weiter. Es fehlt der Tatendrang. Sicherheit ist wertvoll, keine Frage, aber wenn sie dazu führt, dass Veränderungsdruck und Verantwortungsgefühl verloren gehen, wird sie zum Stillstand. Das finde ich besonders schade, weil dieses Land unglaublich viel Wissen, Kompetenz und Potenzial hätte. Es fehlt nicht an den Möglichkeiten, sondern oft am Mut und am Willen, sie wirklich zu nutzen.

Andererseits: So berechtigt Kritik an unseren eigenen Versäumnissen auch ist: Der dauerhafte Blick durch die rosarote Brille aufs Ausland verzerrt die Realität gewaltig. Deutschland hat echte Probleme, aber dieses permanente Schlechtreden übersieht völlig die Stabilitäten und Standards, um die uns genau andere Länder oft beneiden.

Nun ja, wer konservative Politik wählt, bekommt ein konserviertes Land. Der Deutsche und seine panische Angst vor Veränderungen und Fortschritt lässt es halt nicht zu. Und nicht zu vergessen, dass hier Springer, Nius und Co. sehr viel Geld mit dieser Angst verdienen.

Ich vermisse Merkel und Obama. Wir wussten damals gar nicht, wie gut wir es hatten. Ja, die beiden waren auch nicht perfekt, aber tausendmal besser als das, was wir momentan ertragen müssen.

Good News!

Tschechien will Handys bis zur neunten Klasse weitgehend aus dem Schulalltag verbannen. Die Regierung hofft auf mehr Konzentration, weniger Ablenkung und mehr direkten Austausch unter Schüler:innen. Gut 80 Prozent der Bevölkerung unterstützen die Pläne. Tschechien will handyfreie Schulen. Mein Bruder ist übrigens gerade in diesem Land unterwegs und schwärmte mir von Karlsbad und Marienbad vor. Ich glaube, ich muss da mal hin.

Apropos Tourismus: Florenz verschätft Regeln gegen Massentourismus. In neun weiteren Vierteln dürfen keine neuen Wohnungen mehr als kurzfristige Ferienunterkünfte angeboten werden. Damit will die Stadt verhindern, dass der Übertourismus Bewohner*innen aus ihren Vierteln verdrängt und die Mieten steigen. Für bestehende Ferienwohnungen ist künftig eine befristete Genehmigung nötig. Und in Barcelona werden ab 2027 überhaupt keine Air BnBs mehr genehmigt. Ich kann die Einheimischen verstehen.

Was ist daran so schwer zu verstehen? Gesellschaften, die füreinander sorgen, sind zufriedener.  Gesellschaften sind im Durchschnitt glücklicher, wenn sie fair, inklusiv und hilfsbereit sind. Zu diesem Ergebnis kam eine polnische Forscherin, die Daten von 97.000 Menschen aus 66 Ländern ausgewertet hat. Zu den zentralen Einflussfaktoren gehören unter anderem gleiche Rechte, gesellschaftliche Offenheit und gute soziale Beziehungen.

 

Freitagstipps

 

1. Dieser Sommer ______________ .

2.  __________ ein Ventilator.

3. Zur Abkühlung _________ .

4. _________ Eiskaffee.

5. Wie wird _________  .

6. __________ noch zu früh.

7. Was das Wochenende angeht, heute Abend freue ich mich auf ___________ , morgen habe ich geplant, _________ und Sonntag möchte ich _________ !

Wenn ihr mitmachen wollt, könnt ihr die Fragen vom Freitagsfüller gerne auf euren Blogs beantworten und im Kommentar verlinken. Oder aber ihr beantwortet direkt hier in den Kommentaren, wenn ihr keinen eigenen Blog habt. Ich freue mich auf eure Antworten oder auf das Stöbern auf euren Blogs, danke für’s Mitmachen beim Freitagsfüller! Und euer Interesse an meinen Freitagstipps, die kommen jetzt. Ich freue mich übrigens auch, wenn ihr meine Freitagstipps durch eure eigenen Freitagstipps in den Kommentaren ergänzt!

Freitagstipps London

Meine Freitagstipps für euch

Freitagstipps zum Gucken

Spannend, irgendwie leicht schräg und mit immer neuen Wendungen,  die neue zehnteilige Apple TV Serie “Maximum Pleasure Guaranteed” hat mich sehr gut unterhalten. Bei Paula läuft es zuletzt gar nicht. Ihre Scheidung ist gerade durch, sie kämpft mit ihrem Ex um Zeit mit der gemeinsamen Tochter und auch im Job als Faktencheckerin bei einer Zeitschrift läuft es nur mäßig. Ihre einzige Abwechslung – und zudem Entspannungsmöglichkeit – ist ein Cam-Boy, für dessen Zeit sie bezahlen muss. Als ihr sexy Toyboy jedoch mitten in einem Call überfallen wird, beginnt das Chaos. Weil sie nicht auf die Hilfe der Polizei vertraut, beginnt sie selbst zu ermitteln und wird dabei in ein Dilemma zwischen Internetkriminalität und blutigem Mordfall hineingezogen… und die Story entwickelt sich. Paula ging mir allerdings ab und zu auf die Nerven. Ich bin vielleicht zu sehr Overthinker und logisch denkend für solche Frauenfiguren, die für meine Begriffe oft irrational handeln. Aber es ist halt unterhaltsame Fiktion, und keine Doku.

Freitagstipps zum Lesen

Substack ist eine relativ neue Platform, die ähnlich wie Blogs funktioniert. Warum man nicht gleich klassisch bloggt hat sich mir noch nicht ganz erschlossen, aber inzwischen veröffentlichen dort viele Creator längere Texte, die sich nicht auf Social Media unterbringen lassen. Meine Bloggerfreundin Selmin hat dort gerade einen schönen Beitrag über ihren Solo Trip nach London vergangene Woche veröffentlicht. Wir haben die Stadt wie oben bereits erwähnt, zwei Tage zusammen entdeckt.

Steht der neue James Bond fest? Dieser Schauspieler soll es laut Insider werden. Na ja, so hot finde ich den jetzt nicht, aber es steht ja noch nicht ganz fest.

Habt ihr schon mal mit Feigenblättern gekocht? Ich nicht. Dieses Sommeraroma landet viel zu selten in der Küche Die Blätter sollen nach Sommer schmecken und nach Kokos, Vanille und Mandeln riechen. Ich klau morgen mal welche bei meinen Nachbarn und schnuppere dran.

Freitagstipps zum Hören

“Kein demokratisch regiertes Land wird die weitere rasante Entwicklung der KI Giganten zulassen”. Das ist ein Zitat aus dem Podcast “KI ist ein hochgradig ideologisch aufgeladener Diskurs” mit Philosoph Rainer Mühlhoff. Puhh, ich muss sagen, dass mich das sehr beunruhigt. Das Ziel der Tech-Giganten aus dem Silicon Valley ist ein libertärer Staat ohne jede Regulierung, wo nur Kapitalismus ohne jegliche Prinzipien von Gleichheit und Gleichberechtigung regiert. Wegsehen bringt nichts, Panik auch nicht. Das ist vielleicht die Realität, der wir uns stellen müssen, im Kampf für Demokratie. Jeder einzelne von uns.

Während meiner Reisezeiten habe ich ein neues Hörbuch auf Spotify gehört. Im Spotify Abo sind erstaunlich viele gute Hörbücher enthalten, das habe ich erst kürzlich festgestellt und werde mein Audible Abo deswegen erstmal pausieren. Im Thriller “Sie kann dich hören” (Originaltitel: The Housemaid’s Secret) von Freida McFadden hat die Protagonistin Millie Calloway einen neuen Job. Um sich ihr Studium zu finanzieren, hilft sie einem reichen Paar aus Manhattan im Haushalt. Ihr Arbeitgeber Douglas Garrick wirkt nett, und zum Glück stellt er ihr nicht zu viele Fragen zu ihrer Vergangenheit. Doch warum darf Millie nicht mit seiner Frau Wendy sprechen? Was bedeuten das Weinen, das sie aus dem verschlossenen Zimmer hört, und die Blutflecke auf Wendys Kleidung? Ist Douglas in Wahrheit nicht der fürsorgliche Ehemann, der er vorgibt zu sein? Millie weiß nur eins: Sie muss Wendy helfen. Auch wenn sie damit riskiert, dass ihr dunkelstes Geheimnis doch noch ans Licht kommt. Spannend, mit sehr starkem Plot Twist am Ende!

Und noch einen Podcast möchte ich euch empfehlen. Zum ersten Mal habe ich mit bewusst ein Interview mit einem AfD Kandidaten angehört, aus Interesse, und um nicht nur in meiner links-grünen Bubble unterwegs zu sein.

Was passiert mit Demokratie, wenn Kompromisse nicht mehr als notwendiger Teil politischer Aushandlung verstanden werden? Konsens abgelehnt wird? Keine Kompromisse zum Wohle ALLER mehr versucht werden?

Thilo Mischke trifft Matthias Lieschke, Unternehmer, Kommunalpolitiker und AfD-Mitglied. Zunächst geht es um die Themen, mit denen Lieschke vor Ort Wahlkampf macht: Mittelstand, Bürokratie, fehlende Auszubildende, Handwerk und die Frage, was Politik in den Dörfern konkret verändern kann. Das geht noch ok in den ersten zehn Minuten vom Interview. Dann entgleist es, wird so undefiniert wie immer, wenn man Menschen aus dieser Partei konkrete Fragen stellt.

Ich verstehe den Ansatz überhaupt nicht mehr. Irgendwann muss man als Journalist doch auch merken, wo die Grenzen sind und man aufhören sollte denen nur noch Fläche und Reichweite für den Algorithmus zu bieten. Was genau will man denn vor so einer Wahl mit denen besprechen? Und dann ausgerechnet mit Lieschke? Niemand holt irgendwen von deren Wählern mit einem rationalen Ansatz zurück.

Radikale sind für Rationalität einfach nicht mehr zugänglich. Was ist also das Ziel, wenn das Ergebnis vorher klar ist? Vielleicht verstehe ich es auch einfach nicht. Der Podcast hat mich in meiner Meinung bestätigt. Anfangs dachte ich, so schlimm ist es nicht. Und dann kam das dicke Ende.

Das waren meine Freitagstipps, Gedanken und Geschichten für diese Woche. Vielen Dank für’s Vorbeischauen, wenn ihr bis hierher gelesen habt.

Ich hoffe, es ist etwas Interessantes für euch dabei. Und ich freue mich immer, wenn ihr meine Freitagstipps in den Kommentaren ergänzt.

Ich möchte euch gerne auch noch auf die Anmeldung für das Kreativ-Event Crop Am Rhein Ende September aufmerksam machen, noch sind einige wenige Plätze frei.

Ich wünsche euch ein tolles Wochenende!

Alles Liebe

Barbara

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